Auf Hochfeiler und Weißzint

Von Sonne verwöhnt, vom Gipfel gekrönt

30.07.-02.08.20, mit Michael Kreuz

Donnerstag, 30.07.2020 – Aufstieg Hütte und Napfspitze (Christoph Uschold)

Am Donnerstag, 30.07.2020 trafen sich um 8.00 Uhr am S-Bahnhof in Altenerding unser Tourleiter Michael Kreuz, Walter Kratzer, der seit  Jahren versuchte an dieser Tour teilzunehmen, Werner Rypalla, der von zu Hause für dieses Wochenende frei bekommen hat, und ich (Christoph Uschold) der noch irgendwie vom 6. Platz der Warteliste mit einer Spontansofortzusage in die Seilschaft gerutscht war. Wir machten uns mit Michaels Audi auf dem Weg nach Südtirol. Die Unterhaltung im Fahrzeug war gut. Jeder erzählte, was er schon für Touren gemacht hatte. Spätestens am Brenner stand fest, dass drei austrainierte Athleten und ich auf dem Weg zum Hochfeiler waren. Nach einem schönen Kaffee im Rasthof Lanz im Eingang zum Pustertal erreichten wir nach einigen Staus den Parkplatz am Neves-Stausee (1.856 Meter) und machten uns gegen13.00 Uhr auf zur Edelraut-Hütte (2545 Meter) am Eisbruggjoch, die für die nächsten 4 Tage unser Zuhause werden sollte.

Nach Einzug in unsere Unterkunft gingen wir am Abend noch auf die südlich des Jochs gelegene Napfspitze (2888 Meter), von der aus wir ein wunderbares Bergpanorama bestaunen konnten. Besonders interessierte uns dabei die nördlich von uns gelegene Hauptkette der Zillertaler Alpen mit den Gipfeln, die wir in den nächsten Tagen ersteigen wollten. Bei Halbpension und dem auf der Edelraut-Hütte obligatorischen Verdauungsschnapserl ging der erste Tag zu Ende.

Freitag, 31.07.2020 – Hochfeiler (3510m, der höchste Gipfel der Zillertaler Alpen) – was lange währt….. (Walter Kratzer)

Heute ist es endlich soweit. Nach den witterungsbedingten Absagen der letzten Jahre stehen wir kurz nach halb sieben abmarschbereit vor der herrlich gelegenen Edelrauthütte. Wir haben 13 C.

Das Wetter könnte kaum besser sein, unsere Stimmung nach der ersten Hüttennacht in der modernen und energieautarken, auf 2545 m gelegenen Schutzhütte ist es ebenfalls.

Begleitet vom Pfeiffen der Murmeltiere folgen wir dem Steig zur Unteren Weißzintscharte (2974 m).

Mit dem Erreichen des Passes wird der Blick frei auf den Gliedererferner, die Hochfeilerhütte und die Südflanke des Hochfeilers, mit 3.510 der höchste Gipfel der Ostalpen.

Über teils seilgesicherten Fels steigen wir zum Gletscher ab. Problemlos queren wir den stellenweise aperen Gliedererferner um auf der gegenüberliegenden Seite wieder an Höhe zu gewinnen.

An der Hochfeilerhütte (2715 m) füllen wir unsere Wasserflaschen und zweigen zum Hochfeiler ab.

Später zeigen erst eine Ansammlung von Steinmännchen, später dann gute Markierungen den Weg auf den lohnenden Gipfel.

Wir erreichen den firnbedeckten Westgrat des Hochfeilers und bald auch den Gipfel. Ein herrlicher Ausblick auf die umliegende Bergwelt und den tiefblauen Schlegeeisspeicher belohnt die Mühen. Es ist Punkt 12 Uhr. Bei 22 C lassen wir uns die Gipfelbrotzeit schmecken und genießen die Aussicht.

Auf dem Rückweg bleibt die Hochfeilerhütte nicht unbeachtet, wenn auch nur mit einer kurzen Einkehr. Schiwasser mit Gletscherblick.

Zum kurzen queren des blanken Gliedererferners legen wir diesmal die Steigeisen an. Dafür können wir dann den direkteren Weg nehmen. Auf der gegenüberliegenden Seite angekommen erklimmen wir seilversichert steilen Fels.

Über die Untere Weißzintscharte erreichen wir nach 11 Stunden und 1450 hm wieder die Edelrauthütte.

Am Abend kehrt dann auch noch Hans Kammerlander mit einer größeren Gruppe auf der Hütte ein. Diese wollen morgen den Hochfeiler besteigen. Jungs, das wird eine lange Tour!

Samstag, 01.08.2020 – Hoher Weißzint (Walter Kratzer)

05: 40 Uhr – viel zu laut der Wecker…..

Nach einem ausgiebigen Frühstück starten wir gegen sieben den direkt hinter der Edelrauthütte beginnenden Aufstieg. Wieder ein herrlicher, sonniger Tag!

Bis zum Grat nicht sonderlich schwer, ist der Hohe Weißzint dann doch stellenweise unübersichtlich und vor allem im Mittelteil rund um die zwei Gendarmen stellenweise recht ausgesetzt. Eine schattige Rinne muss nordseitig abgeklettert werden (II.) kurz drauf folgen zwei versetzte schräge Platten, diese gilt es abwärts zu überwinden. Dabei gibt ein schmaler Sims halt für die Füße, während man sich an der oberen Felskante gut mit den Händen festhalten kann.

Danach wird es zusehend einfacher, doch braucht man immer wieder die Hände, um Felsblöcke zu überwinden. Der weiche Firngrat kurz vor dem Gipfel ist bei den heutigen Witterungsbedingungen keine Herausforderung und in wenigen Schritten erreichen wir den Gipfel (3371 m).

Obwohl wir uns viel Zeit nehmen hätte die Rast nicht lange genug sein können um sich an der überragenden Aussicht sattzusehen.

Für den Rückweg legen wir kurz unter dem Firngrat die Steigeisen an um sicher über den Gliederer- und Weißzintferner abzusteigen. Die überwältigende Bergwelt verlassen wir viel zu schnell und nach gut 800 hm sind wir am frühen Nachmittag wieder an der Edelrauthütte.

Nachmittags machet ein Teil der Teilnehmer noch einen kurzen Abstecher zum Eisbruggsee, ca. 150m unter der Hütte

Sonntag, 02.08.2020 – Neveser Höhenweg und Abstieg

Ursprünglich stand für die Tour auch noch der Große Möseler auf dem Plan. Allerdings hatte sich schon abgezeichnet, dass das Wetter am Sonntag nicht stabil bleiben wird. Daher hatten wir in den Vortagen die längste Tour schon aus dem Plan genommen. Trotzdem wollten wir uns wenigstens den ersten Abschnitt dieser Tour auf dem Neveser Höhenweg nicht entgehen lassen.

Nach dem Frühstück starteten wir daher bei etwas Wolken. In der Nacht hatte es schon geregnet, so dass der Weg teilweise etwas rutschig war.

Ein aufkommender Wind aber trocknete alles größtenteils bald ab. Fast horizontal geht es von der Hütte immer unter den Hängen des Weißzint nach Ost. Nach einiger Zeit biegen wir um eine Ecke und sehe auch den Großen Möseler.

Noch ist der Gipfel zwar frei. Sonnig wäre es aber wohl heute nicht geworden. Am Ende des Höhenweges auf der anderen Talseite ist auch schon die Chemnitzer Hütte zu sehen. Üblicherweise wird auch von dort die Tour in Angriff genommen.

Immer wieder hören wir auch heute das Pfeifen der Murmeltiere.

Gegen Mittag kommen wir im Tal an und machen uns auf den Heimweg.

Nach insgesamt vier Jahren haben nun die Wetterbedingungen (weitegehend) gepasst und die Tour konnte endlich stattfinden.

Mit dabei (in der Reihenfolge der Häufigkeit der Anmeldungen in den Vorjahren 😉): Werner Rypalla, Walter Kratzer, Christoph Uschold, Michael Kreuz (Tourenführer)

Auf dem Bild: Michael Kreuz, Werner Rypalla, Walter Kratzer und Christoph Uschold