Am Grasleitenkopf

Blick in den Isarwinkel

1.11.2020, mit Veronika Pfeffer – Wir haben den letzten Tag vor dem teilweisen Shout Down optimal ausgenutzt und eine Tour auf den Grasleitenkopf gemacht. Da dies voraussichtlich einige Bergfreunde und die letzten touristischen Gäste heute ebenfalls machen würden, sind wir früher als geplant aufgebrochen, wunderbar durchgekommen und haben den perfekten Parkplatz am Schloss Hohenburg bekommen.

Durch das Hirschbachtal geht es los. Jedes Mal, wenn ich diesen Weg gehe, kommt mir dieselbe Joggerin in denselben Klamotten entgegen. Täglich grüßt das Murmeltier? Gott sei Dank nicht, denn die Tour gestaltet sich dann doch anders! Der Hirschbach sieht zu jeder Jahreszeit faszinierend aus, leider ist er durch ein Gewitter im Frühjahr über die Ufer getreten und hat Brücken und Teile der Straße zerstört. Wir dürfen daher über die sanierten Brücken das Tal hinauf gehen und warm laufen.

Mein erfahrener Mitwanderer, Harald, ging davon aus, dass wir über den Sulzer Steig weiter aufsteigen. Aber tatsächlich hatte ich eine Route geplant, die nicht mal Harald kennt – und das will schon was heißen!

Wegloser Aufstieg

Den Einstieg kann man vom Weg aus beim besten Willen nicht erkennen, aber nach ca. 100 Meter stößt man auf einen wunderschönen „verschollenen“ Pfad, den wir über den sogenannten Habichl, eine Lichtung oder ein kleiner Zwischengipfel, aufgestiegen sind. Habichl steht für „Heuhügel“ und weist darauf hin, dass hier schon in früheren Zeiten Heu gemacht wurde. Auch Pilzliebhaber wären hier auf ihre Kosten gekommen, mitten im Wald, abseits vom Weg fanden wir wunderschöne Pfifferlinge, hatten aber leider keinen Korb dabei.

Dass dieser Weg ein „echter Weg“ ist, erkannten wir an den sonderbaren „Verkehrsschildern“ mitten im Wald, die jedoch so verblichen waren, dass man nur mit Mühe den Pfeil erkennen konnte. Irgendwann kamen wir wieder in die Zivilisation und gingen die letzten Meter auf dem Forst- und Wirtschaftsweg an den Seekar-Almen vorbei zur Lenggrieser Hütte. Aber auch dieser Weg hatte seinen Reiz, wir kamen an einem One-Woman-Baum-Biwak vorbei und an einem Baumthron, in dessen Form man auch ein Dinosaurierbein interpretieren konnte.

Baum-Biwak
Baum-Thron

 An der Hütte machten wir nur einen kurzen Foto-Stopp um die Zugspitze und das tolle Alpenpanorama festzuhalten, im Südwesten schien sogar die Sonne!

Zugspitzblick

Dann ging es weiter auf das Seekarkreuz (1.601 Hm), das hatte ich ursprünglich nicht geplant, da es eine leichte Herbstwanderung werden sollte, da wir aber eine kleine Gruppe von fitten Wander*innen waren, haben wir den Gipfel natürlich „mitgenommen“, der Rundum-Ausblick war das wert und obwohl es bedeckt war, hatten wir eine tolle Weitsicht.

Gipfelfoto Seekarkreuz

Wieder an der neu renovierten Lenggrieser Hütte angelangt, war der Zeitpunkt perfekt für die Mittagspause. Die Hütte wurde während des Frühjahrs-Shutdown liebevoll und modern renoviert – und nicht nur die Hütte, auch die Brotzeitkarte lässt sich sehen.

Renovierte Lenggrieser Hütte

Mit diversen Knödeln gestärkt machten wir uns auf zum letzten Anstieg auf den Grasleitenkopf (1.434 Hm). Dessen Gipfel, also höchster Punkt, ist recht unscheinbar und wenn kein Kreuz da stehen würde, würde man grad dran vorbei laufen. Dennoch hat man von dem Grat einen tollen Blick in den Isarwinkel. Dem grasbewachsenen Grat verdankt der Berg seinen Namen. Steile Wände nach unten, die dennoch gras- und baumbewachsen sind, sollten unsere Aufmerksamkeit bekommen.

Grasleiten-Grat

Wir wanderten weiter auf dem Grat entlang zur/zum tiefer gelegenen Grasleite bzw. Grasleitenstein (1.268 Hm), wo ein großes Gipfelkreuz und eine einladende Bank eher den Hauptgipfel vermuten lässt. Hier darf man keinen Schritt zu viel machen, sonst geht es einige Meter abwärts! Wir genießen den Blick in den Isarwinkel und die gegenüber liegenden Benediktenwand & Co und machen uns auf den Weg ins Tal.

Isarwinkel Blick

Gegen Ende fängt es tatsächlich noch zu nieseln an, aber das tut der Tour keinen Abbruch. Diesmal finde ich auch den „Schleichweg“, der uns nicht durch den Bauernhof am Ende des Weges gehen lassen muss. Der Durchgang des Hofes ist nicht erlaubt, aber leider endet der offizielle Wanderweg genau dort. Gut, dass wir jetzt die Abzweigung gefunden haben, die uns über den Ortsteil Mühlbach aus dem Tal herausleitet, ohne den Hof durchqueren zu müssen. Nach 1.050 Hm und 5,5 Stunden Gehzeit haben wir uns  in Lenggries noch Kaffee & Kuchen gegönnt (bevor die Gastronomie für die nächsten Wochen schließen muss)! Schön war´s mit euch!

Kaffee und Kuchen Finale

Wahrscheinlich war es meine letzte Tour dieses Jahr! Ich freue mich auf zahlreiche Touren 2021 und schicke euch allen: Beibt‘s gsund!

Mit dabei waren: Ute Kashoa, Gisela Zeis, Harald Schramek und Veronika Pfeffer
Tourenleitung/-bericht: Veronika Pfeffer
Fotos: Harald Schramek