Hoch und Wild

Hochtouren am Gurgler Gletscher

02.-05.07.26, mit Christan Harrer – Wieder mal sind wir mit einer Sektionstour in einem Gletschergebiet. Dass es gar nicht mehr so einfach ist, geeignete Tourenziele zu finden, wissen wir schon länger: Der Klimawandel verändert die Hochregionen immer schneller. Dass es aber so rasant geht, haben wir jetzt wieder herausgefunden.

Anstieg über Obergurgl

Vier Teilnehmer scharen sich um unseren Tourenleiter Christian, den wir vor Obergurgl treffen. Wir parken sein Auto weit außerhalb des Dorfes am Lift Hochgurgl und nehmen ihn von dort mit. So ersparen wir der Sektion 64 Euro Parkgebühren – kostenlose Parkplätze gibt es in Obergurgl nicht.

Im Rotmoostal

Wir wandern mit unseren schweren Hochtourenrucksäcken hinauf. Die Fahrstraße zur Langtalereck-Hütte ist für die öffentliche Durchfahrt behördlich gesperrt, denn immer wieder rutschen dort Muren ab. Der Fußweg wird deshalb über eine Wiese geführt, um die Hütte zu erreichen.

Haflinger-Freunde …
… und die grüßen zurück
Gleich sind wir …
… vor einer Hütte vor der Hütte

Dort haben wir vor dem Abendessen noch Zeit und können an einem Felsen die Technik der Spaltenbergung üben. Wie sich zeigt, schadet eine Auffrischung ja nie!

Dann beziehen wir unser Lager und können mit einem brauchbaren Abendessen unseren ersten Tourentag beenden.

Unser erstes Tourenziel wird die Falschunggspitze, 3.361m, über dem Gurgler Ferner sein. Auf diesem Gletscher waren die ersten Astronauten, Auguste Piccard und Paul Kipfer, mit ihrer Ballonkapsel 1931 gelandet. Mal schauen, wie unsere Landung ausfallen wird!

Um 05:30 Uhr nehmen wir unser Frühstück ein und starten um Viertle nach sechs unsere Tour. Das Wetter zeigt sich deutlich wechselhafter, als wir es nach Wetterbericht erwartet hatten. Aber das wird ja wohl werden … Nach einem kurzen Abstieg steigen wir durch die steile Wand in Richtung des Schwärzenkamms.

Anstieg zum Schwärzenkamm

Wir erreichen die lange Moräne, auf der wir aufsteigen. Eine halbe Stunde sagt tatsächlich niemand aus der Gruppe etwas – alle hängen beim stillen Aufstieg ihren Gedanken nach. Eine fast schon meditative Bergtour!

Meditative Stille

Wir erreichen nach zwei Stunden auf 2.800m das aufgelassene Hochwildehaus. Wegen der instabilen Statik kann das Haus seit 2016 nicht mehr betrieben werden (was an mancher Stelle durchaus für Ärger sorgt).

Hochwildehaus, auch wettermäßig nicht in Betrieb

Der Weiterweg ist schon ungewöhnlich: Der sogar noch auf den digitalen Karten eingezeichnete Weg müsste über Gletscherzungen führen, die sind aber schon alle zurückgeschmolzen. Wir steigen über weichen Grund und kleine Schmelzbäche des Gletschers.

Vorsicht …
… und Obacht

Zweimal müssen wir Moränen überwinden, um endlich die Gletscherzunge zu erreichen.

Runter und wieder rauf über die Moränen …
… zum Gletscheranstieg der Falschunggspitze

Am Hochwildehaus konnten wir noch unseren Gipfel erkennen; als wir aber den Gletscher betreten, fallen Nebel und Wolken auf die Berge herein. Christian übernimmt die Navigation bei sehr wenig Sicht deshalb mit technischen Hilfsmitteln und steuert uns mit GPS.

Hier geht’s zum Gletscher …
… aber ohne Sicht, dafür mit tiefem Schnee

Ingrid wird als Seilerste von Christian auf die richtige Spur gelenkt. Das waren noch Zeiten, als wir wir mit Karte, Kompass und Höhenmesser unsere Route suchen mussten, gell, Christian! (Er könnte das aber sicher auch noch.)

Die Seilerste zu sein zeigt sich allerdings nicht als Privileg, wie sich schnell herausstellt: Tiefer, sulziger Schnee bildet früh das Terrain. Und das bedeutet, eine tiefe Linie hinaufspuren zu müssen. Eine lange Plagerei beginnt … manche dürfen das Schmelzwasser auch in ihre Schuhe aufschöpfen. Eine zweifelhafte Abkühlung!

Wohin?

Die Spurarbeit hinauf wird dann statt Ingrid weiter oben von Renate (kaum aufzumhaxn) und dann Christian übernommen. Aber auch das nur Hinterhergehen ist nicht wenig anstrengend, denn alle aus der Seilschaft brechen immer wieder tief ein bis zum Knie und teilweise sogar bis zu Hüfte. Das Herausgraben kostet viel Kraft, wir pumpen ganz schön durch.

Nur kurzes Wetterloch

Das Wetter deutet mit einem blauen Wolkenloch vermeintlich eine Besserung an, aber das hält nur sehr kurz. Denn als wir es endlich geschafft haben und den schneefreien Grat ereichen, kommt statt Sonne ein Graupelschauer. Der Grat selbst ist schotterig und brüchig und wir haben außerdem keinerlei Fernsicht.

Übergang vom Gletscher zum Grat

So verlegt Christian dankenswerterweise „unseren“ Gipfel auf 3.333m unter die Spitze. Mehr brauchen wir gar nicht und machen hier nicht einmal Pause ob der unwirtlichen Bedingungen.

Unser Falschungg-Gipfel ist eine Fälschung

Der Abstieg wird nicht viel besser als der Aufstieg. Hier spurt uns der Berichterstatter hinunter und wir brechen auch hier immer wieder in den tiefen Schnee ein. Ein Bergläufer aus unserer Seilschaft ist hier oft mehr Berglieger. Oh wie schön, als wir wieder festen Boden erreichen! Und wir können „unseren“ Berg sogar wieder sehen.

Rückschau

Endlich gibt’s die Brotzeitpause nach dem Gletscher.

Rast mit Gletscherhahnenfuß

Wir müssen auf dem Rückweg wieder die zwei Moränen übersteigen, um zum Hochwildehaus zu kommen.

Wilde Moränenbezwinger …
… am Hochwildehaus

Nochmal eine Trinkpause, dann steigen wir ab Richtung Hütte, die wir nach dem letzten Gegenanstieg erreichen. Nach elfeinhalb Stunden Tour mit 1.354 Hm und 19 Kilometern Strecke endet unsere anstrengende Tour, die uns vor allem mit der weichen Schneeauflage geplagt hat. Hoch waren wir und wild war’s auch!

Zurück zur Langtalereck-Hütte

Beim Abendessen besprechen wir dann unseren nächsten Tag – und es herrscht schnelle Einigkeit, dass wir so einen Schneesumpf nicht nochmal erleben wollen. Statt wie geplant nun die Hochwilde zu besteigen, verweigern wir uns der Plagerei und wählen den Anstieg auf das Eiskögele. Wir hören ein Paar am Nachbartisch, dass sie die Hochwilde planen – da sind wir mal gespannt, wie sie die Tour erleben werden …

Am nächsten Tag können wir mehr ausschlafen und frühstücken erst um sieben Uhr. Ingrid muss heute passen: Der Fußballen mit Aua zwingt sie heute zur Pause. Zu viert brechen wir also auf. Und wie schön ist das, nach gestriger Anstrenung heute mit leichtem Gewicht unterwegs zu sein, denn die Gletscherausrüstung ist heute verzichtbar.

Mäh?

Nur Schafe sind heute lange auf unserem heutigem Berg die einzigen Begleiter. Oder doch nicht ganz, denn ein Alpenschneehuhn begegnet uns auf dem Anstieg und hat sogar mindestens 10 Küken mit dabei! Und wie bestellt schwirrt eine Berglerche auf Futtersuche auf der Wiese herum. Da wird der Fotograf vor Aufgaben gestellt …

Kükeriki
Berglerche auf Futterfang

Und das Wetter ist großartig und lässt gute Fernsicht zu. Endlich sehen wir die Berge vor uns, auch die Hochwilde, der wir uns heute verweigern.

Blick zur Hochwilde

Und anders als auf der Hütte gibt es heute am Gipfel Handy-Empfang, so dass von dort oben gleich Gipfelgrüße verschickt werden können.

Drei Seelen vor dem Seelenkogel
Da geht’s lang
Gleich sind wir …
… am Gipfel …
… des Eiskögele auf 3.233m …
… wo es steinmanndelt
Der Fotograf (links) und ein Fotograf

Auch der Abstieg fällt diesmal leicht – wenn auch einem nicht ganz: Denn Thomas findet schmucke, aber schwere Steine, die er in den Rucksack packt. Wahrscheinlich ist der Berg jetzt einen Meter niedriger …

Schmucke Margariten

Wir erreichen die Hütte in guter Zeit und können jetzt schön auf der Terrasse beim Kaffee sitzen und uns einen lässigen Nachmittag gestalten. Auch das Abendessen ist wieder brauchbar. Das Paar, das die Hochwilde gemacht hat, ist nach 14 Stunden Tour erledigt angekommen. Unsere Wahl stellt sich also als einzig richtige heraus.

Der Berichterstatter darf heute mit Christian ein Jubiläum feiern: Vor 25 Jahren hat Christian seine Ausbildung als Tourenführer begonnen auf Empfehlung und Überzeugungsarbeit von Hans, der damals genau wusste, wie gut Christian seine Sache als Tourenführer des Alpenkranzl machen wird. Und das hat er ja diesmal wieder beeindruckend unter Beweis gestellt. Ich freue mich, wenn wir uns wieder treffen, Christian!

Manchmal darf sich Christian auch ausruhen

Und am Ende haben wir noch einen langen Ratsch mit dem Hüttenwirt Georg Gufler. Er ist übrigens verwandt mit der sehr lieben Pensionswirtin in Ötz, bei dem der Berichterstatter immer die Aufenthalte bei den Klettersteigkursen verbringen durfte. Darauf einen Schnaps – gleich zwei Runden hat er unserer Gruppe spendiert! Soviel Schnaps trinkt eine Teilnehmerin sonst das ganze Jahr nicht …

Zwoa Griabige, der Georg und der Hans

Am nächsten Tag packen wir zusammen. Wir haben beschlossen, nicht noch eine Tour dran zu hängen, sondern den Abstieg gemütlich zu gestalten. Wir wählen den Weg durch das Rotmoostal.

Entspannter Abstieg
Wollgras auf der Wiese

Dort treffen wir wieder auf die zutraulichen Haflinger an der Schönwiesalm, bewundern den schönen Weg durch den Zirbenwald, freuen uns über den wilden Rotmooswasserfall und werden sogar noch von einem Schwalbenschwanz-Schmetterling und einem Reh begleitet. So schön kann’s sein!

Mei, so ein Lieber (der links)

Wir erreichen Obergurgl und liefern Christian an seinem Auto in Hochgurgl ab. Wir verabschieden uns herzlich und freuen uns schon auf weitere gemeinsame Touren mit ihm!

Teilnehmer: Ingrid Eiblmeier, Renate Resch, Hans Sterr, Thomas Wagner
Tourenleitung: Christian Harrer
Bericht: Hans Sterr
Fotos: Hans Sterr und alle anderen

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