Skitouren in den Villgratner Alpen vom 21.-25.02.2026
Samstag, 21.02.206 – Anreise und Skitour bei Lienz
In Erding regnet es in Strömen. Wir starten um 6 Uhr Richtung Osttirol. Uns entgegen kommen die Faschingsurlauber. In unserer Richtung fließt es aber gut. In Aurach machen wir Frühstückspause. Wie lange war ich hier inzwischen nicht mehr? Aber immer noch gut.
Dann geht es weiter durch den Felbertauerntunnel. Bei Matrei erreichen uns die ersten Sonnenstrahlen. Doch insgesamt ist die Schneesituation auch hier in Osttirol mager.
Aufgrund der verzwickten Schneesituation in dieser Saison und der aktuellen Lawinenlage 4 habe wir uns als Tourenziel heute das Skigebiet westlich von Lienz zum Hochstein herausgesucht. Allerdings läuft dort der Lift schon den zweiten Winter nicht mehr.


Vor Ort waren wir daher positiv überrascht über
- die gute Schneelage (Ausgangshöhe nur ca. 680m)
- dass die Piste sogar präpariert war; es ist zumindest einen Pistenraupe einmal rauf und runter gefahren, was bei der aktuellen Schneelage die Verhältnisse angenehmer macht.
Wir starten also und gehen zuerst auf bzw. neben der „Piste“ los.

Etwas weiter oben zweigen wir auf dem Russenweg ab. Er schlängelt sich nordseitig durch den Wald.



Nach ca. 800 Hm nehmen wir die Abkürzung wieder zurück ins Pistengebiet zur Stern Alm (geschlossen). Von dort geht es sicher und flott ins Tal.

Am Nachmittag kommen wir in unserer Pension Mühlmann & Schön (www.muehlmannschoen.at) in Innervillgraten an. Ein Haus, das wir absolut empfehlen können. Zirbenholzzimmer, Schwitzstube und zum Frühstück selbst gebackenes Brot, selbst gemacht Marmelade und vieles andere mehr. Haben Sie schon mal eingelegte Löwenzahnknospen gekostet? Und Tee sowie eine Tourenbrotzeit ist schon inklusiv im Zimmerpreis.


Sonntag, 22.02.2026 – (Pisten) – Skitour auf den Golzentipp 2317m
Aufgrund der nicht unerheblichen Lawinengefahr brauchten wir auch am zweiten Tag eine sichere Tour. Fündig wurden wir ganz in der Nähe bei Obertilliach: Der Aufstieg auf den Golzentipp erfolgt in ziemlich lawinensicherem Gelände und die Abfahrt dann auf den Pisten des kleinen Skigebietes mit gleichem Namen. Im Vergleich zu den Touren um Innervillgraten herum ermittelte der Skitourenguru beim Golzentipp ein wesentlich kleineres Risiko.
Start ist am sogar kostenlosen „Parkplatz Pistenskitouren“. Es geht nur anfangs ein kleines Stück die Piste entlang, bevor man nach links in den Wald abbiegt.

Erstaunlicherweise lag auf dem Aufstiegsweg an einem Südhang überall genügend Schnee. Bei zwei kleinen Hütten in 1800m Höhe machten wir Pause.

Dort überholten uns andere Skitourengeher, die etwas schneller unterwegs waren. Das darf auch so sein, denn so jung war unsere Vierergruppe ja auch nicht mehr. Alle zusammengerechnet kommen wir fast schon auf ein Viertel-Jahrtausend.



Nach der Pause wurde der Weg steiler, bevor wir über einen freien Rücken bei kräftigem Wind den Gipfel erreichten. Vier dort angebrachte Bildtafeln erleichterten uns die Identifizierung der umliegenden Gipfel und Täler. Für eine ausgiebige Brotzeit war es aber zu ungemütlich.


Eine längere flache Querung führte vom Gipfel zum Skigebiet. Über präparierte Pisten schwangen wir hinab, eine Abfahrt über den Aufstiegsweg durch dichten Wald wäre bei Weitem nicht so schön gewesen.
Etwa auf halber Höhe, etwas abseits der Piste, konnten wir bei fast Windstille und Sonnenschein unsere Brotzeit in aller Ruhe genießen. Das nachher immer noch vorhandene Bedürfnis nach einer Tasse Kaffee und Kuchen konnten wir dann auch noch in der Nähe der Talstation stillen, bevor wir wieder nach Innervillgraten zurück in unser Quartier fuhren.
Montag, 23.2.2026 Endlich eine richtige Skitour zum Gaishörndl (2621m)
Wir waren zum Frühstück wieder alleine in unserer Frühstückspension und freuten uns über Rührei mit Speck und diverse andere Leckereien. Die Abfahrt war heute kurz nach 8 Uhr. Es sollte warm werden. So wollten wir nicht zu spät unterwegs sein.
Wir fuhren nach Kalkstein auf 1639 m. Auf dem großen Parkplatz am Ende der Straße neben dem Gasthof Badl-Alm waren wir das einzige Auto. Den Namen dieses Gasthofes hatten wir in den vergangenen Tagen schon mehrmals als absolute Empfehlung gehört. Heute hatten wir Pech – „Montag Ruhetag“.


Unten im engen Tal war es frisch und der Schnee mit einem harten Eisdeckel überzogen.


Hinter der Ruschletalm war schon ein Schneeprofil angelegt: Ca. 40 cm Neuschnee auf 20 cm Gries ergibt eben genau die aktuelle Lawinenstufe 4!

Nach der Alm öffnete sich das Tal, es kam erst ein etwas steilerer Rücken mit Erlenbüschen, dann ging es recht flach weiter.
An der Grubenlenke sah der Aufstieg zum Gipfel des Gaishörndl gar nicht gut aus, links eher abgeblasen und rechts angeweht, aber auf keinem Fall einladend.



Es war so warm, dass teilweise sogar die neuen Felle stollten. Sogar ein Zwischenstopp mit Schnee von den Fellen abkratzen und Wachs aufbringen brachte nicht viel Erleichterung. An nassen Fellen pappt eben der Schnee.


Der Gipfel bot einen phantastischen Rundblick in die Dolomiten bis zu den Drei Zinnen. Aber der Wind blies uns regelrecht vom Gipfel.



Ich kam kaum nach mit Abfellen und Stiefel zumachen, da waren die Anderen schon vom Gipfel verschwunden und warteten im Windschatten auf mich.

Der Schnee war schwer, aber ohne Harschdeckel. Unten an der Ruschletalm machten wir dann unsere Brotzeit. Wir waren nicht alleine, eine Dreiergruppe aus Kelheim rückte etwas zusammen und so hatten wir alle Platz. Zurück in Innervillgraten gab es Kaffee und Kuchen beim Bachmann.

Zurück in der Pension machten wir einen Abstecher nach Georgien. Michael zeigte uns die Bilder seiner Reise aus dem letzten Sommer.
Zum Abendessen kehrten wir ins Gasthaus Bachmann zurück. Die Einrichtung hat noch den Charme der 70-er Jahre, das Essen war aber gut. Zurück auf dem Zimmer gab es den 2.Teil der Georgienreise. So viele Eindrücke an einem Tag!
Dienstag, 24.2.2026: Pürglesgungge 2500 m
Nach erneut leckerem und ausgiebigem Frühstück ab 7 Uhr starten wir unsere Skitour mit Ziel Pürglesgungge (2500m) erneut am Talschluss in Kalkstein auf 1630 m um 8:45.
Das Wetter ist wie angekündigt sehr durchwachsen bei ca. 2°C. Der anfängliche Sprühregen vergeht bald und ab und zu zeigt sich sogar die Sonne. Auch der angekündigte Wind bleibt eher gering.


Die Tour führt uns zunächst über 200 hm auf gleichem Weg wie am Vortag, dann biegen wir auf einen serpentinenreichen Forstweg ab. Der Wald wird zunehmend lichter. Oberhalb der Waldgrenze auf knapp 2200 m wird die Sicht immer diffuser.


Angekommen an einer gemauerten ehemaligen Zollhütte auf 2320 m gegen 11:15 finden wir einen unverschlossenen gemütlichen Wohnraum mit Gästebuch. So nutzen wir diesen für eine gemütliche Brotzeit.



Obwohl wir den Gipfel sehen können (wären noch 180 hm) beschließen wir umzukehren da die Sicht recht schlecht und der Schnee ziemlich schwer ist.

Letzteres erfahren wir auch auf den nächsten Kurven bergab – es gelingen uns trotz schöner Hänge nur schwere großbogige Kurven bis dann der Forstweg die restliche Abfahrt erleichtert.
Anschließend genießen wir nach immerhin knapp 700 hm die tolle und weitbekannte Badl-Alm in Kalkstein.
Da die verkürzte Skitour einiges an Zeit übrig lässt besuchen wir nachmittags noch die bekannte südtiroler Waffelfabrik Loacker in Sillian sowie die alte Bunbrugge – 64m lang über den Villgratenbach – eine Meisterleistung der Holzfachwerkskunst von 1781, heute unter Denkmalschutz (Napoleons Truppen haben sie schon genutzt).


Mittwoch, 25.02.2026 – Marchkinkele (2545m)
Für heute ist zum Abschluss nochmals Sonnenschein pur prognostiziert. Allerdings auch mit bis zu 16 Grad sehr warm.
Ein letztes Mal dieses herrliche Frühstück mit allem was das Herz sich wünscht. Dann räumen wir unsere Zimmer und verstauen alles im Skiraum.
Das Marchkinkele (auch Marchginggele) wird meistens von Kalkstein aus über nordwestseitige Hänge bestiegen. Da hier aber einige steiler Abschnitte vorhanden sind haben wir uns für den ostseitigen Anstieg entschieden. Diese ist zwar dann 1200 Hm etwas weiter und damit wird das unsere anspruchsvollste Tour werden.


Direkt an der Unterkunft starten wir mit der Skitour. Einige Meter zu Fuß können wir aber bald die Ski anschnallen. Über ein Forstweg geht es am Tafinbach entlang. Bei der Graferalm weitet sich das Tal zu einem großen Kessel. Dort erreicht uns auch die Sonne, die über die südseitigen Gipfel von u.a. Hochrast hierher scheint. Wir sind auf dieser Route vollkommen alleine unterwegs.



Hier wird es uns auch dann gut warm. Was zwar ein Nachteil ist wird hoffentlich später ein Vorteil (so der Plan). Denn der Untergrund ist schon noch ziemlich gefroren und „boanig“.


Beim Gissertörl treffen wir auf eine Gruppe, die von Kalkstein aufgestiegen sind und einige Meter vor uns schon in Richtung Gipfel unterwegs sind.


Diese letzten (Höhen)Meter sind jedoch nochmals eine besondere Herausforderung. Da ein Queren (und später auch Abfahren) in den ostseitigen Hängen wie ansonsten üblich nicht zu denken ist gehen wir direkt am Grat hoch.
Nach ca. einem Drittel entscheiden wir jedoch, dass der Aufstieg doch etwas ausgesetzt ist. Und auch der Gedanke an die Abfahrt fördert nicht unbedingt den Gipfelsog. Wir drehen also um und beschließen, dass wir somit das „Vordere Marchkinkele (2482m)“ bestiegen haben.



Jetzt gibt es erstmal die wohlverdiente Brotzeit nach doch immerhin 1120 Hm.
Dann heißt es wie immer Felle ab, Skischuhe zu und los geht es.
Leider ist es aber so, dass es nicht aufgefirnt hat oder anderweitig weicher geworden ist. Windverpresster Pulverbruchharsch vom Feinsten! Da hilft nur wieder unsere Taktik der großen Bögen bzw. dort fahren, wo schon am Vortag jemand abgerutscht ist. Und wenn man seinen Ski in der Nähe eines Baumes verliert merkt man beim Versuch wieder in die Bindung einzusteigen, dass hier doch einiges an Schnee liegt.
Aber insgesamt klappt es dann doch ganz gut wieder zurück in Tal. Denn wenigsten weiter unten sind die Hohlwege dann gut aufgefirrnt und damit gut zu fahren.


Auch wenn wir heute noch nach Hause fahren muss natürlich Kaffee und Kuchen oder andere isotonische Ausgleichsgetränke noch sein.

Insgesamt sind uns trotz der schwierigen Bedingungen tolle fünf Skitourentage gelungen. Einen herzlichen Dank auch an alle Teilnehmer. Dies waren Uta, Wolfi und Torsten.
Tourenleitung: Michael Kreuz
Bilder: Diverse Teilnehme
