Zwischen Yogamatte und Kaiserschmarrn

Erdung mit Bergblick in den Lechtaler Alpen

21.–23. August 2026
Freitag
Es regnete uns ordentlich rein auf dem Weg zur Anhalter Hütte, mitten in den Lechtaler Alpen. Nass geworden, aber gut gelaunt – denn was gibt es Schöneres, als sich danach am Hüttenofen aufzuwärmen, mit heißem Tee und einem Stück Apfelstrudel in der Hand? Genau da fing das Ankommen eigentlich schon an.
Die Anhalter Hütte selbst hat schon einiges an Geschichte gesehen: 1911/1912 erbaut, steht sie mittlerweile unter Denkmalschutz – und die urige Stube mit ihrer Original-Täfelung aus der Gründerzeit ist bis heute erhalten. Gleichzeitig wurde erst vor wenigen Jahren aufwändig saniert, ökologisch auf den neuesten Stand gebracht: Photovoltaik und ein mit Pflanzenöl betriebenes Blockheizkraftwerk sorgen für Strom, das Wasser kommt frisch aus der eigenen Quelle. Weder Straße noch Seilbahn führen hier herauf – alles, was oben ankommt, wird mit dem Hubschrauber oder zu Fuß hochgebracht. Bewirtschaftet wird die Hütte von Angelika und Sebastian Wolf, die mit viel Herzblut dafür sorgen, dass man sich hier oben rundum wohlfühlt – von der warmen Stube bis zum vollen Teller. Diese Mischung aus über hundertjähriger Geschichte, modernem Komfort und Herzlichkeit mitten in den Bergen spürt man, sobald man die Tür aufmacht.
Um 16 Uhr saßen wir dann alle zusammen: Kennenlernen, ein Blick auf das, was uns die nächsten Tage erwarten würde, und schon ein bisschen Vorfreude in der Luft. Der Winterraum wurde zu unserem Yogaraum, direkt nebenan unser gemeinsames Lager. In der ersten Session – 90 Minuten ganz in Ruhe, ganz auf Erdung und Ankommen ausgerichtet – durften wir loslassen. Sanfte Bewegung, am Ende Shavasana mit Massage. Danach gab’s ein wärmendes Hüttenessen – hier wird viel selbst gemacht, regional und saisonal, mit Produkten von Erzeugern aus der Umgebung. Ein gemütliches Beisammensein, und weil alle ziemlich k.o. waren, ging’s auch schon früh ins Bett.
Samstag
6:30 Uhr, der Wecker klingelt – und trotzdem sofort dieses kleine Kribbeln im Bauch, als der Blick aus dem Fenster ein Stück blauen Himmel zeigt. Trocken! Wir zogen uns warm an und gingen mit einem meditativen Spaziergang hinter die Hütte, hinein in die klare, kühle Morgenluft. Jede suchte sich ihr Plätzchen, und für einen Moment war einfach nur Stille – nur wir und die Berge. Dieses Gefühl, wenn draußen alles ganz langsam aufwacht: schwer in Worte zu fassen, aber unglaublich schön. Nach einer kurzen Meditation und sanfter Mobilisation im Stehen ging’s zurück zur Hütte, zu einem stärkenden Frühstück und einem heißen Kaffee – spätestens da war auch die letzte Müdigkeit verflogen.
Jetzt war Zeit für uns selbst: Was brauche ich gerade eigentlich? Am Kamin bleiben oder raus in die Natur? Die Entscheidung fiel uns leicht – solange das Wetter mitspielte, wollten wir raus! Also auf zum Tschachaun, unserem Hausberg auf 2.334 Metern – eine ungeführte Tour, die in Eigenverantwortung unternommen wurde. Eine gute Stunde ging’s durch satt-grüne Almwiesen voller Blumen, vorbei an einer Schafherde und viiiielen Murmeltieren, die uns neugierig beobachteten. Oben nieselte es zwar ein bisschen, aber wen kümmert’s bei so einem Ausblick ins wildromantische Plötzigtal, mit der Heiterwand und der Namloser Wetterspitze zum Greifen nah? Beim Abstieg kam dann tatsächlich die Sonne raus, und wir standen einfach nur da und schauten zu, wie sich die ganze Landschaft vor unseren Augen verwandelte. Momente zum festhalten!
Zurück auf der Hütte wartete schon die nächste Belohnung: frischer, selbstgebackener Kuchen, Kaiserschmarrn und der hausgemachte Hüttenkräutertee mit Zirbenhonig – ein Träumchen. Die Küche hier legt großen Wert darauf, möglichst viel selbst zu machen und auf regionale, saisonale Produkte aus der Umgebung zu setzen, das schmeckt man einfach. Dann raus mit den Liegestühlen, Sonne ins Gesicht, ein Buch in der Hand oder einfach die Augen zu oder den Ausblick genießen.
Am späten Nachmittag ging’s noch einmal auf die Matte: die zweite Session, etwas kraftvoller diesmal, mit wohltuenden Dehnungen für die müden Beine, und zum Schluss eine Guided Full Body Relaxation, bei der die ein oder andere fast weggenickt ist 🙂
Der Ofen knisterte, draußen zog der Herbst ein – und drinnen war’s einfach nur gemütlich. Beim Abendessen war die Stube voll bis unters Dach, und der beeindruckende Sonnenuntergang hat dann nach dem Nachtisch nochmal alle raus auf die Terrasse gezogen.
Die Energie des Tages reichte dann noch locker für zwei Runden Kniffel. Glücklich und zufrieden ging’s schließlich ins Bett.
Sonntag
Kaum zu glauben, dass das Wochenende schon fast vorbei war – aber der verschlafene Blick aus dem Fenster zeigte noch einmal strahlend blauen Himmel. Kurz vor sieben ging’s ein letztes Mal zum Meditative Walk hinter die Hütte, an diesen kleinen, fast magischen Fleck mit seinen Klängen, Düften und dieser Aussicht, die man einfach nicht satt sehen kann. Meditation, sanfte Mobilisation, und dann Free Movement to Music – ein bisschen tanzen, ein bisschen den Körper wachrütteln, bevor der Tag richtig losging.

Zurück auf der Hütte gab’s ein letztes gemeinsames Frühstück, bei dem man schon ein bisschen wehmütig wurde – so ein schönes Wochenende geht eben viel zu schnell vorbei. Bei dem Traumwetter nutzten ein paar Teilnehmerinnen die Gelegenheit noch für eine eigene Gipfeltour. Zum Abschied gab’s dann noch viele herzliche Umarmungen und die Vorfreude auf ein Wiedersehen – vollgetankt mit schönen Erinnerungen ließ jede ihren Sonntag ausklingen.
Lust auf Yoga bekommen? Wir freuen uns auf dich – jeden Donnerstag im Alpinzentrum Erding!

Teilnehmerinnen: Fabienne, Madeleine, Beate, Aileen
Tourenleitung, Bericht, Fotos: Katharina Rott

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