Skitouren im Ridnauntal sowie Ratschingser Tal

Eine Tour, die skitourentechnisch nichts und kaffeetechnisch vieles zu wünschen übrig ließ.

25.-27.01.2019. mit Constanze Klotz – Kurz vor 06:00 am Morgen treffen sich 8 Kranzler bei Reiner in Erding. Mit Routine verstaut Reiner innerhalb kürzester Zeit die umfangreiche Ausrüstung und das Gepäck in seinen Bus und schon fahren wir los.

Ohne Stau erreichen wir das wolkenverhangene Inntal. Nachdem wir Innsbruck passiert haben, schlägt Constanze vor, beim M-Preis in Matrei die obligatorische Frühstückspause einzulegen. Doch der Autor dieser Zeilen hat eine andere Idee und überredet Constanze, die Pause in Sterzing bei einem neu erbauten Eurospar einzulegen.

Spaß macht’s

Freitag, 25.01.2019
Skitour auf die Einachtspitze (2303m) – und was ist der Unterschied zwischen M-Preis und Eurospar?

Am Brenner reißt die Wolkendecke auf und bei strahlendem Sonnenschein rollen wir nach Sterzing hinunter. Unsere Vorfreude auf die italienische Kaffeekultur ist immens hoch. Doch was für ein nüchternes Erwachen, als wir am Eurospar ankommen. Es gibt hier weder eine Bäckerei noch frischen Kaffee. Auf Nachfrage bei einer Südtirolerin erfahren wir, dass es in ca. 100m Entfernung bei einem Hotel mit angeschlossener Bar Kaffee gibt. Kurz darauf sitzen wir bereits beim Frühstück in der Bar, genießen Kaffee in jeglicher Art und es wird fleißig über den Autor dieser Zeilen gewitzelt und ihm dabei der Unterschied zwischen „österreichischen M-Preis“ und „italienischen Eurospar“ ausführlich erklärt…..

Frisch gestärkt fahren wir weiter ins Ridnauntal bis zum Weiler Gasse. Glücklicherweise findet Reiner am Straßenrand einen Parkplatz für seinen Bus.

Los geht’s

Bei einer Außentemperatur von minus 11 Grad sind wir in kürzester Zeit startklar. Unser heutiger Gipfel ist die 2303 Meter hohe Einachtspitze.
Wir folgen zunächst dem Pistenverlauf bis zur Bergstation eines kurzen Schleppliftes und überqueren dann einen kleinen Bach. Ab hier tauchen wir in den Waldgürtel ein, der zum Teil sehr steil ist und erst nach knapp 300 Höhenmetern endet

Steil durch den Wald

Die letzten Höhenmeter vor der „Wildn Hüttn“ geht es auf einer Forstrasse weiter. Plötzlich kommt uns eine geländegängige Mini-Schneeraupe vom im Tal ansässigen ****Luxushotel „Gassenhof“ entgegen. Als wir die „Wildn Hüttn“ erreichen, ertönt das sonore Lärmen eines Stromgenerators. Etliche gestylte Hotelgäste in modischen Skianzügen und mit Pistenski trinken bei lautem Musikgedudel ihren Glühwein. Damit es ihnen nicht zu kalt wird, ist auch ein elektrischer Heizlüfter in Betrieb. Im Internet wirbt das Erlebnishotel Gassenhof unter anderem mit dem Slogan: „Ort der Entschleunigung – ruhige Atmosphäre im idyllischen Dörfchen Ridnaun“

Ort der Entschleunigung

Eigentlich wollten wir hier eine Rast einlegen. Aber da wir uns unter einem „Ort der Entschleunigung“ und unter „Ruhe“ jedoch ganz was anderes vorstellen, steigen wir einfach weiter auf, bis wir einen kleinen Stadel erreichen und unsere wohlverdiente Brotzeit in Ruhe genießen.

Anschließend steigen wir über freie Hänge zum Gipfel der Einachtspitze auf, den wir nach insgesamt 1003 Höhenmetern erreichen. Nach einer Rast und dem obligatorischen Gipfelfoto

obligatorisches Gipfelfoto

geht es bei Pulverschnee über freie Hänge zur „Wildn Hüttn“ zurück, die jetzt ohne Remmidemmi verlassen und ruhig in die Landschaft eingebettet ist.

Der schöne Teil der Abfahrt ist vorbei. Ab jetzt geht es die Forststraße bergab. Nach einer Abkürzung durch den Wald und einer kurzen Gehstrecke erreichen wir Reiners Bus. Nach wenigen Minuten Fahrzeit kommen wir im Hotel an. Nach Relaxen in der Sauna oder im Hallenbad lassen wir nach einem ausgiebigen Abendessen, den Abend bei Wein und Bier ausklingen.

Samstag, 26.1.2019
Maschendrahtzaunklettern! Skitour Ratschingser Kreuz sowie Hochspitze

Nach einem guten und für italienischen Verhältnissen sehr umfangreichen Frühstück (dafür wurde sogar unsere Abfahrtszeit eine Viertelstunde nach hinten verlegt), fuhren wir zum Ausgangspunkt unserer Tour nach Ried. Um 9:20 Uhr konnten wir dort starten.

Im unteren Bereich waren Wildgehege, die mit Maschendrahtzaun gesichert waren. Also versuchten wir, diesen Bereich auf einem Weg zu umgehen. Allerdings kamen wir schnell in einen dichten Waldbereich und dann auf eine gesplittete Forststraße. Da stellten sich alle Haare auf bei den Gedanken an die Abfahrt. In einer scharfen Rechtskurve zweigte endlich unser Weg in das Valtigeltal. Jetzt konnten wir uns ohne Hindernisse bergan arbeiten.

nun geht es ohne Hindernisse weiter

Weiter hinten im Tal wählten wir die rechte, sonnige Talseite, weil hier die seitlichen Hänge nicht so steil und damit weniger lawinengefährdet waren. Heute war es bewölkt, aber hin und wieder spitzte die Sonne durch und wärmte mit ihren Strahlen. Circa 200 HM unter dem Ratschingser Kreuz teilten sich die Spuren. Ein Teil der Gruppe hatte Lust auf 2 Gipfel und stürmte nach links zur Hochspitze. Im unteren Bereich an der Weggabelung sahen die Hänge der Hochspitze sehr einladend aus, weiter oben stellte sich dieser Gipfel aber als heimtückisch heraus, abgeblasen und wenig Schneeauflage. Jeder unserer kleinen Gruppe hatte mit den Steinbeißern zu tun, die sich hinterlistig bei der Abfahrt in den Skibelag einkratzten.

Die Hochspitze mit dem abgeblasenen Westhang

Das Ratschingser Kreuz war kein leichter Anstieg, die letzten Meter nach oben mussten wir die Ski sogar tragen. Dafür sind wir dann in traumhafte, aber relativ steile Hänge eingefahren. Der Schnee bei der Abfahrt war toll, der untere Teil aber wieder ein Weg. Auf der Forststraße entschieden wir uns, die andere Seite mit dem Gehege zu befahren. Hier erwischten wir nicht mehr den Idealweg, sprich, wir fanden erst keinen Eingang in das leere Gehege. Als einzige Chance blieb uns nur, über einen senkrecht auf den Maschendrahtzaun zulaufenden Zaun hochzuklettern und über die Maschen als Leiter auf der anderen Seite abzuklettern. Das war eine 2- im Maschendrahtzaunklettern! Spuren im Schnee zeigten uns, dass andere Skitourengeher es genauso gemacht hatten. Der untere Ausgang war dann ein Kinderspiel. Aber die ganze Such- und Kletteraktion hat ganz schön viel Zeit gekostet. Unsere anderen Kameraden hatten zwar einen Autoschlüssel, aber das lange Warten im eisigen Schatten war unangenehm, obgleich die alten Häuser sehr fotogen sind.

fotogene Häuser

Der Skibus war ihnen vor der Nase weggefahren, als sie das Auto beladen hatten. Eine junge Frau im Fiat Panda hatte aber Mitleid mit den vier frierenden Skifahrern. Wie alle Personen in so einem kleinen Auto Platz gefunden habe, wird wohl immer ein Rätsel bleiben.

Zurück im Hotel erholte sich jeder auf seine Weise, entweder mit einer Augenentspannung auf dem Bett oder in der Sauna. Die mit uns im Hotel logierende Reisebusgruppe, die in Antholz den Biathlon-Weltcup als Zuschauer miterlebte, kam erst recht spät zurück, so hatten wir im Gegensatz zu gestern ein ruhiges Abendessen.

Sonntag, 26.1.2019
Skitour Fleckner

Mühsam hatten wir am Vorabend die Abfahrtszeit für Sonntag auf 9 Uhr festgelegt. Dafür ging es dann umso pünktlicher los in das südlicher gelegene Tal von Ratschings. Fast am Talende angekommen, konnten wir auf der schmalen Bergstraße gerade noch einen Parkplatz für unseren großen Ducato ergattern (1380 m ü.N.N.).

So ein Forstweghatscher …
… eignet sich gut …
… für Ratscher

Auf einer gut 3 km langen Forststraße durchquerten wir langsam ansteigend den Waldgürtel bis wir bei den Wumbls Almen freies Gelände erreichten und uns der kalte Wind scharf ins Gesicht blies.

Oben ist es nicht mehr ganz so gemütlich

Unschwer stetig ansteigend erreichten wir nach gut 2,5 Stunden den Sattel zwischen Saxner und Flexner und nach wenigen Metern den Gipfel (2231 m ü.N.N.) des letzteren. Während der Gipfelbrotzeit lugten wir schon in die von wenigen Spuren durchzogene Ostwand hinunter, in die wir schließlich einzeln vorsichtig einfuhren. Zur Enttäuschung fanden wir nicht den ersehnten pulvrigen Tiefschnee vor, sondern einen Wind-gepressten Deckel, der das Vergnügen in Grenzen hielt. Dafür wurden wir aber im unteren Teil der Abfahrt bis zu den Almen mit bestem Tiefschnee verwöhnt.

Nach einer kurzen Verschnaufpause rutschten wir die Forststraße zum Auto hinunter. Die direkte Heimfahrt wurde noch durch einen kleinen Schlenker zurück zum Hotel unterbrochen, da Vergessenes noch geholt werden musste bzw. ein Zimmerschlüssel zuhause wenig nützlich gewesen wäre. Abgesehen von einem kleinen Stau an der Ö – D Grenze und am Inntaldreieck erreichten wir wohlbehalten am Abend unser Zuhause und konnten zufrieden auf drei tolle Tourentage zurückblicken.

Text: Freitag Roland Stary; Samstag Uta Mentz, Sonntag Rudi Riepl
Leitung: Constanze Klotz, Co Leitung und Bilder: Michael Grötsch
Teilnehmer: Uta, Roland, Michael, Rosemarie, Günther, Rudi, Reiner