Ski(hoch)touren HTG: Rotondohütte

Vier super Tourentage (mit leider auch einem traurigen Erlebnis)

Ostern 2019, 19.-22.4.2019 – Freitag 5 Uhr Abfahrt. Und trotzdem hören wir, als wir Schweizer Rundfunk empfangen können: 2,5 Stunden Stau vor dem Gotthardtunnel! Zum Glück können wir die Landstraße nutzen, da wir nicht durch den Tunnel nach Süden wollen, sondern direkt zum Gotthardmassiv, wo unser Ziel, die Rotondohütte liegt. Im Alpenvorland und im Ursenental ist Frühling – oben in Andermatt ist noch Winter. In Realp parken wir an der Bahn (5SFR pro Tag). Je nach Kondition geht es die 1050Hm in 2,5 bis 4 Stunden zur Rotondohütte.

Rotondohütte und Piz Lucendro

Samstag: Heute bilden wir zwei Neigungsgruppen. Die (Über-)Ambitionierten wollen zum Piz Rotondo (3.192m).

Piz Rotondo

Eine nicht-abfahrtsorientierte Tour mit viel Auffellen. Die erste Herausforderung ist die Abfahrt vom Witenwasserenpass zum Gerengletscher. Wir haben keinen Track, nehmen die Querung sehr hoch: Eine kurze Abfahrt mit 50 Grad ist die Folge. Alle 5 heil durch. Gut. Auffellen und zum Rotondo-Westausläufer (2620m). Wieder Schrägfahrt. Wieder Auffellen. Von NO über W nach S, hier nochmals 300 Höhenmeter rauf zum Couloir. 150Hm 50 Grad steil mit gutem Schnee.

Couloir

Dann noch laut Führer „wenig schwierig, ziemlich luftig“ kletternd zum Gipfel. Schon anspruchsvoll. Am Gipfel statt eines Kreuzes ein Steinmann, der uns als Tresen dient. Yann hat für alle Ostereier dabei! Mit Kuchen gefüllt!

Kuchen

Wir unterhalten uns total nett mit einem Schweizer, der quasi im Schnellgang hinter uns raufkam. „Bis heute Abend auf der Rotondohütte.“ Und schon ist er weg. Leider für immer, denn er stürzt auf diesem „wenig schwierigen“ Klettergrat in den Tod. Zum Glück können wir es nicht sehen, ein anderer Bergsteiger sieht es, er schreit zwei Mal ganz laut. Kommt wieder zu uns hoch. Aufruhr. Notruf. Der Heli ist schnell da, es ist keine Rettung mehr möglich. Auch wenn wir ihn nicht kannten: Es nimmt einen mit. Die Rega fragt auch uns, ob jemand ausgeflogen werden möchte. Wir lehnen dankend ab, unter anderen Umständen gerne mal…. . Wir fahren weit ins Gerental ab, 400 Hm Gegenanstieg im Schweigen.

Jeder hängt seinen Gedanken nach…

Die zweite Gruppe wählt ein abfahrtsorientiertes Ziel: Pizzo Lucendro 2962m. Von der Hütte 300 Hm abfahren, die Westflanke (oben sehr steil) rauf, über eine Scharte im Nordgrat auf die Ostseite, auf einem Schneegrat zum Gipfel. Auch 1000 Hm, psychisch heute definitiv die bessere Tour.

Sonntagmorgen: Blick aus der Hütte nach Süden

Witenwasserenstock

Auf allen Tischen liegen Lindt Ostereier! Hat man so was schon mal auf einer Hütte erlebt? Das ist für mich nach knapp 40 Jahren Osterskitouren eine richtige Überraschung!

Heute wollen wir gleich drei Gipfel „mitnehmen“. Am Witenwasserenstock gehen wir am Grat bis zum Wintergipfel auf ~3000m.

Am Wintergipfel

Hier ist die Wasserscheide zwischen Rhein, Rhone und Po, sowie Treffpunkt der Kantone Uri, Wallis und Tessin. Den Hüenerstock (2889) nehmen wir im Vorbeifahren mit, auf der Abfahrt runter in den Witenwasserenboden. Den Anstieg zum Lucendro kennt zumindest Rudi bereits. Ein paar gehen bis zur Scharte, zu viert gehen wir zum Gipfel weiter. Wir nehmen die Ski auf dem Rucksack mit. Die Einfahrt in die „prächtige“ NW-Flanke ist uns mit Ski zu heikel, mit Steigeisen und Pickel gehen wir die ersten 30 Meter nach unten. Der extrem steile Hang ist leider pickelhart: Der abgehende Schnee macht ein unheimlich rasselndes Geräusch. Unten wird es erst schön firnig, dann sumpfig. Die 300 Hm Gegenanstieg zur Hütte sind nochmal schweißtreibend, nach 1.700 Hm reicht es dann.

Montag: Auch heute haben wir wieder gutes Wetter, so dass wir nicht durch das lange, flache Witenwasserental nach Realp abfahren/schieben müssen, sondern über den Leckipass nach Westen aufsteigen und von dort über den Muttengletscher abfahren. Die meisten ersteigen noch zu Fuß das Gross Leckihorn (3.068m), den Hausberg der Hütte mit toller Rundsicht.

Gross Leckihorn (3.068m)

Der Muttengletscher ist spaltenfrei, so dass wir beschwingt einzeln abfahren. Das V-Tal der Muttenreuss muss man wegen Lawinengefahr meiden und so bleibt ein Gegenanstieg nach Deieren bzw. zu den Stotzigen Firsten, die sich unerwartet leicht per Ski überschreiten lassen. Bei der Gipfelbrotzeit hat man Sicht auf alle Gipfel der vergangenen Tage, ein Traum!

Traumabfahrt

Genauso die Abfahrt, die gar nicht enden will – bis der Schnee unten doch schwer und schwerer wird. Vier super Tourentage!

HTG Mitglieder

Mit Rudi, Michi, Sylvia, Chris, Sabine, Yann, Wolfi
Orga und Tourenbericht: Constanze