Radtour auf dem Kocher-Jagst-Radweg

Mit besten Grüßen vom Götz von Berlichingen

25.-29.07.2019 mit Heinz Barczewski – Pünktlich um 6 Uhr fahren wir mit 4 Fahrzeugen vom Parkplatz am Erdinger Schwimmbad in Richtung Aalen los. Aalen ist unser Start- und Zielplatz für die 5-tägige Radtour auf dem Kocher-Jagst-Radweg (später auch spaßeshalber Kläranlagentour aufgrund der Häufigkeit derartiger Anlagen am Wegesrand genannt). Der frühe Start ist einmal dem morgendlichen Stau im Flughafenbereich als auch der angekündigten Hitzewelle geschuldet. Recht zügig und staufrei verläuft die Anfahrt, wir bemitleiden die Fahrer auf der Gegenfahrbahn, die in einem Megastau in einer zweispurigen Baustelle verweilen müssen.

25.07. – Von Aalen nach Schwäbisch-Hall; Tourenbericht Team Barczewski/Buchmann

In Aalen parken wir auf dem kostenlosen Greut(park)platz, montieren die Räder und radeln los in Richtung Schwäbisch Hall. Vorbei geht es an der Marienburg von Niederalfingen, ein kleiner Vorgeschmack auf die Sehenswürdigkeiten der nächsten Tage.

Marienburg von Niederalfingen

Der Weg führt uns mal links, mal rechts und mal über den Kocher entlang von abgeernteten Feldern (vorwiegend Grasbewirtschaftung) mit blühenden Randstreifen natürlichen oder künstlich angelegten Ursprungs; sehr schön anzuschauen. Zur Linken taucht Schloß Hohenstadt auf, seit 500 Jahren im Besitz der Familie Adelmann.

Schloß Hohenstadt

Kurz hinter Wengen weist uns ein Verkehrsschild auf die dortige Draisinenstrecke hin; Benutzung nur nach Voranmeldung zu jeder vollen Stunde möglich: verpasst! Mittlerweile ist es schon gut warm, der Trinkflaschengebrauch nimmt deutlich zu.

Draisine gefällig?

Allmählich wird es Zeit für ein zweites Frühstück; in Sulzbach-Laufen finden wir endlich nach einigem Suchen einen Supermarkt mit angeschlossenem Café. Wir verwöhnen uns mit leckerem Kuchen und genießen die angenehmen Temperaturen in dem klimatisierten Vorraum. Umso größer der Pfefferminz-Schlag, der uns beim Verlassen des Cafés ereilt. Die Außen-Temperatur mittlerweile geschätzte 35 Grad. Es geht durch Gaildorf, wir kommen nach Berghof. Irgendein Ort? Normalerweise schon, doch die Auffahrt zur Kirche St. Martin ist bei 42 Grad heute für alle eine Strapaze. Zur Belohnung gibt es endlich am Friedhofsbrunnen die lang ersehnte Abkühlung; eine Wohltat (deren Wirkung leider nicht lange anhält). Und dann fehlt auf einmal ein Teilnehmer; ein Stück auf dem gut ausgeschilderten Radweg vorgefahren, Anschluß verloren, nicht mehr sichtbar. Gut, dass wir sicherheitshalber alle Handynummern ausgetauscht haben. Schlecht, wenn der Teilnehmer nicht an das Handy geht. Bei Tullau geht es dann hinab zum Kocher und hinein nach Schwäbisch Hall, überragt von der ehemaligen Benedektinerabtei Großcomburg

Ehemalige Benedektinerabtei Großcomburg

Und hier treffen wir auch den verloren gegangen Teilnehmer wieder. Nun müssen wir noch 80 m steil den Berg rauf zu unserer Unterkunft beim Sölchebäck (in jeder Hinsicht empfehlenswert), wo wir mit einer großen, eiskalten Johannisbeerschorle erwartet werden. Nach 1,5-stündiger Pause treffen wir uns dann gegen 16 Uhr zu einem Stadtbummel. Zu Fuß geht es wieder den Berg runter,

Kocher-Ufer-Promenade

direkt in den Biergarten auf der Insel Unterwörd.

Inselblick
Am Kocher


Erst einmal wieder Flüssigkeit auftanken; einige holen sich auch eine Brotzeit. Ein typisches Biergarten-Gericht ist natürlich Wurstsalat, den sich ein Teilnehmer gönnt. Die Verpackung stößt dann doch auf einiges Erstaunen, Plastik rundherum. Und das in einem grün regierten Bundesland?

Wurstsalat à la Plastique

Es ist Zeit und Gelegenheit, die Hausaufgaben zu verteilen, sprich Redakteure für den Tourenbericht zu suchen. Nach anfänglichen Murren findet sich für jeden Tag zwangsweise (da Losentscheid) ein Zweierteam (10 Teilnehmer : 5 Tourentage = 2 Team-Mitglieder; passt).

Die Biergarten-Speisekarte stößt nicht auf allgemeine Zustimmung, wir machen schnell ein Gruppenfoto vor malerischer Kulisse

Erschöpfte Radler vor toller Kulisse

und bummeln auf der Suche nach einer genehmen Gaststätte ein bisschen durch die Stadt. Möglichkeiten gäbe es genug wie diese z.B.

Wie wär´s damit?

Fehlanzeige: heute ist eine Vorstellung auf der Freilichtbühne (AIDA von Elton John).

Die Freilichtspiele Schwäbisch Hall sind die zweitältesten Freilichtspiele Deutschlands und finden seit 1925 in Schwäbisch Hall auf den 54 Stufen der 1511 vollendeten Freitreppe der Stadtkirche St. Michael statt.

Wikipedia
Freitreppe der Stadtkirche St. Michael

Im Vorfeld der Freiluftspiele sind alle Außenplätze der umliegenden Lokale reserviert, keine Chance. Letztendlich finden wir etwas außerhalb doch noch Platz in einer Pizzeria. Fast alle bestellen sich alkoholfreies Weißbier; geschätzte Trinktemperatur 14 Grad (hat toll geschmeckt). Erst nach der Reservierung macht uns der Ober darauf aufmerksam, dass bei diesen Temperaturen die Kühlung überfordert war; er hätte aber normales Hell-Bier aus der Durchlaufkühlung anzubieten; haben wir eine Wahl? Da hat wenigstens die Trinktemperatur gepasst.
 
Was hilft es, der Nachholbedarf an kühlen Getränken ist groß, also zurück zum Biergarten.

Briefkästen zu verkaufen

Noch ein Foto des Kocherufers in der Abendsonne,

Im Abendlicht

und: Anstellen, gut 10 Minuten am mittlerweile gut besuchten Getränkestand. Dass ein Teilnehmer versäumt, dem Tourenleiter sein bestelltes Bier mitzubringen, sei ihm verziehen. Also heißt es für den Tourenleiter: nochmals Anstellen.

Der steile Rückweg zu Fuß zum Sölchebäck hinauf verhilft uns zur dritten kalten Dusche am heutigen Tage.

26.07. – Von Schwäbisch-Hall nach Friedrichshall; Tourenbericht Team Kirmair/Voichtleitner

Frühstück 7.00 Uhr, Abfahrt 8.00 Uhr, Ziel Bad Friedrichshall, so das Programm. Immer nahe am Kocher, bei angenehmer Temperatur ging es durch eine schöne Flusslandschaft. Mal links, mal rechts vom „Bächle“, vorbei an fleißigen Menschen, die nicht arbeiten, sondern ins „Gschäft“ gehen und „schaffe“. Schon bald erreichten wir in der Nähe von Geislingen am Kocher Europas größte Stahlbetonbrücke.

Europas größte Stahlbetonbrücke über den Kocher bei Geislingen

Weil es der heißeste Tag des Jahres werden sollte, beschlossen wir, erst kurz vor dem Ziel die Mittagspause zu machen. Also nur ein kurzer Fotostopp in Künzelsau mit seinem Schloss Bartenau und dem alten Rathaus,

Schloß Bartenau
Altes Künzelsauer Rathaus

Wasserauffüllen bei einer netten Dame unterwegs und um 12.00 Uhr waren wir in Gochsen im Gasthaus zum Ochsen, der dann ein Italiener war.

Danach wurde es schon warm und der Fluss und die teilweise schattigen Wege führten uns vorbei an Schloß Bürg

Schloß Bürg bei Neuenstadt

nach Neuenstadt am Kocher mit der Mörikeapotheke.

Neuenstadt, Stadtturm
Neuenstadt, Mörikeapotheke (im Hintergrund)

Die Temperatur ist mittlerweile auf fast 42 Grad angestiegen, leider hat der Fotograf den optimalen Auslösezeitpunkt knapp verpasst.

Der (fast gelungene) Beweis

Über Oedheim ging es nach Hagenbach, wo uns ein Badesee erwartete, der auch Badewannentemperatur hatte, aber sich besser anfühlte als die 38°C im Schatten.

Natürliche Badewanne

Dann ging es ins nächste Bad, nämlich Bad Friedrichshall, unserem Ziel. Bevor wir das Ziel ansteuerten, gab’s noch ein Eis und die Kronenwirtin führte uns dann in ihr Gästehaus. Abends gab es Steaks & more im gleichnamigen Restaurant und der Wetterbericht versprach, Gott sei Dank, Abkühlung für die nächsten Tag. Eine echt heiße Fahrt!

27.07. – Von Friedrichshall nach Krautheim; Tourenbericht Team Maier/Bals

Das Frühstück ist auf 6:30 Uhr (für einen Mitradler unmenschliche Zeit) vorverlegt, um die für den Nachmittag avisierten Gewitter möglichst zu umgehen. Die erste Panne auf dieser Tour macht uns aber einen Strich durch den Zeitplan.

Arbeitsteilung – Reparier du mein Rad, ich pass auf

Kurz vor 8 Uhr starten wir dann mit Verspätung unsere heutige Etappe unter düsteren Wolken, anstatt bisher strahlend blauem Himmel.

Blick auf Bad Wimpfen am Neckar

Waren wir bisher am Ufer des Kocher unterwegs, folgen wir nunmehr der Jagst. Gemeinsamkeiten beider Flüsse ist die Wasserfarbe, die man wohlwollend als „moorbraun“ bezeichnen könnte und die dichte Frequenz der Kläranlagen. Jedenfalls verspürten wir trotz der teilweise tropischen Temperaturen auf unserer Tour nicht den Zwang, uns in die Fluten zu werfen. Ein Mitradler hat es so formuliert: „Do daad i ned amoi d´ Fiass einehoidn“.

Über dem Dorf Herbolzheim thront der runde Bergfried der Burgruine Heriboldesburg.

Bergfried über Herbolzheim

In Neudenau queren wir den Marktplatz mit beeindruckenden Fachwerkhäusern, darunter das Rathaus aus der Renaissancezeit, das – ebenso wie der Marktbrunnen – in den letzten Jahren aufwendig saniert wurde.

Rathaus von 1587 (links)
St. Michaelsbrunnen

Hinter Möcksmühl sammeln wir einen zeitweise verloren gegangenen Mitradler wieder ein und erhalten in Jagsthausen unsere tägliche Dosis Kultur in Form einer römischen Badeanlage.

Grundriss Römerbad

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die von einem Graben umgebene Burganlage. Diese dient den Burgfestspielen Jagsthausen als Spielstätte und wird als „Götzenburg“ vermarktet. Götz von Berlichingen, „der Ritter mit der eisernen Faust“, verbrachte einige Jahre seiner Kindheit in der Burg. Er rief 1516 dem Mainzer Amtmann Max Stumpf in Krautheim jene Worte zu, die Goethe in seinem Sturm- und Drang-Drama literarisch verewigte. Ein Gedenkstein am Tatort erinnert noch heute an die Geburtsstunde des Schwäbischen Grußes.

Burg Jagsthausen

Am Wegesrand erblicken wir immer wieder Kuriositäten.

Kunst am Fahrrad

Wir radeln weiter, kommen zum Kloster Schöntal,

Kloster Schöntal von außen…
…und von innen

weiter geht´s in Richtung Krautheim, dessen Burganlage wir auf der gegenüberliegenden Seite erblicken. Dort müssen wir auch noch hinauf.

Unsere Herberge liegt zwischen Burg- und Kirchturm

Speziell war dann noch die Übernachtung im „Landgasthof Krone in Krautheim“ mit Original 1960er Ambiente und ungewöhnlichem Personal. Leider gab es im Rahmen der Tourenplanung keine Alternative – aber freiwillig würden wir hier nicht mehr übernachten.

28.07. – Von Krautheim nach Crailsheim; Tourenbericht Team Kubatz/Wörndle

Nach einem wider Erwarten gutem Frühstück starten wir heute erst um 9:30 Uhr. Somit können wir den ersten Regenschauer in unserer „Luxus-Unterkunft“ abwarten, … dachten wir. Das Hausfaktotum verabschiedet uns noch mit einem freundlichen Lächeln. Und los geht’s in den Regen.

„Was hat der Götz von Berlichingen wörtlich gesagt“, war die Frage vom gestrigen Abend. Um das herauszufinden, steuern wir zuerst den Gedenkstein an.

Götz von Berlichingen

An der Kapelle St. Anna in Mulfingen machen wir den zweiten Fotostopp.

Kapelle St. Anna in Mulfingen

Unterwegs kommen wir an einem Badeweiher vorbei.

Bei schönem Wetter usw. ???
Kocher-Biotop

In Bächlingen findet das Fischerfest des örtlichen Vereins statt. Bereitwillig steigern wir den Umsatz.

Umsatzsteigerer

Rückwärts blickend haben wir eine schöne Aussicht auf Schloß Langenburg.

Schloß Langenburg

Einer der nächsten Ortsnamen passt zum heutigen Tag.

Regentag in Oberregenbach

Bei einer kurzen Pause am alten Wasserrad in Hürden ziehen wir optimistisch unsere Regenjacken aus.

Wasserrad Ölmühle Hürden

Nach einem nennenswerten Anstieg erreichen wir die Burgruine Leofels.

Burgruine Leofels
Rettung vor dem Verfall


Weiter unterwegs sitzen zwei junge Damen am Wegrand im Gras und genießen ihre Vesper, von der sie uns allerdings nichts abgeben wollen. Dafür geben sie uns den Tipp, den Track kurzfristig zu verlassen, um in die Altstadt von Kirchberg zu fahren.

Wehmütiger Rückblick

Vor Kirchberg wird ein Teilnehmer von einer Dame auf einem Gravelbike attackiert, was er zum Anlass nimmt, seinerseits anzugreifen. Allerdings mit mäßigem Erfolg. In Kirchberg holen wir zufällig bei einer Kaffee-Pause die Dame wieder ein und so kann sich der besagte Teilnehmer ausgiebig mit ihr über die bevorstehende Radtour in CZ austauschen.

Genießer unter sich

Kirchberg wurde erstmals urkundlich im Jahr 1265 erwähnt und hat eine sehr schöne historische Altstadt mit Stadtturm und Schloss.

Schloß Kirchberg

Nach einer kurzen Verweildauer im Schlossgarten radeln wir weiter Richtung Crailsheim.

Schloßhof in Kirchberg

Vorbei am Aussichtspunkt ins Jagsttal, in dem der gefürchtete Raubritter Eppelein von Gailingen im 14. Jahrhundert sein Unwesen trieb, erreichen wir um ca. 17:00 Uhr Crailsheim.

29.07. – von Crailsheim nach Aalen; Tourenbericht Team Kreisig/Weiß

Nach leckerem Frühstücksbüffet im guten Hotel Post-Faber und einer kleinen Startverzögerung wegen undichtem Ventil von Ludwig folgen wir ab 9:00 Uhr der Jagst weiter flussaufwärts bei tief hängenden Wolken (aber ohne Regen)

Platz da – wir kommen

und erreichen nach 26 km Ellwangen: hier kämpfen wir uns zunächst durch eine Bahnunterführung zur sehenswerten Innenstadt.

Stadtplatz mit Adler-Apotheke

Die enorm große spätromanische Basilika St. Vitus schauen wir uns auch von innen an.

St. Vitus von innen

Eine Teilgruppe radelt zum ca. 70 m höher gelegenen schönen Renaissance-Schloss ob Ellwangen mit weitem Rundblick über die Stadt.

Traumhafte Aussicht

Danach treffen wir uns alle wieder im Café Ars Vivendi und genießen leckeren Kaffee und frischen Apfelkuchen. Neben einem Jagst-Biotop bekommt Ludwigs E-Bike nochmals Luft.

An der Jagst

Ein paar Kilometer später beobachten wir am Zulauf des kleinen Stausees Rainau-Buch viele Enten und andere Wasservögel.

Wasservogel-Paradies

Kurz danach, vor Westhausen teilt sich die Gruppe. Initiiert durch Erhard Bals kämpft sich eine 4er-Gruppe (Erhard, Martin, Paul, Torsten; natürlich auf eigene Verantwortung) auf dem originären Kocher-Jagst-Radweg nach Lauchheim knapp 200 hm hinauf zur Kapfenburg (mit schönem Weitblick)

Zu Fuß ging´s auch

und nach Hülen, bei bis zu 20 % Steigung.

Das kann ja lustig werden

Dieser Höhenrücken trennt die Quellgebiete der beiden Flüsse, an denen wir 5 Tage so wunderschön entlang geradelt sind. Nach einer rasanten Abfahrt erreicht die Ausreißergruppe ca. 1 Stunde später kurz vor 15 Uhr die übrigen Radler, die eine Abkürzung über Wasseralfingen genommen haben, am Parkplatz in Aalen.

Auf der Heimfahrt fährt Torsten mit Ade (vor lauter BlaBla) an der Ausfahrt Raststätte Lonetal versehentlich vorbei, wo die übrige Gruppe noch eine kurze Rast einlegt.

Nach zügiger staufreier Heimfahrt verabschieden wir uns alle gegen 18:30 vorm Gasthaus Pfanzelt in Langengeisling bei einem kleinen kühlen Bier und sind uns einig: Trotz anfänglicher Hitze bis 42 ° hatten wir eine wunderschöne abwechslungsreiche 5-Tage-Radtour an Kocher und Jagst, gespickt mit viel Kultur (Fachwerkhäuser, Burgen und Schlösser) – vielen Dank an Heinz für Organisation und Leitung.

Abschiedsbier (hat Autobahnausfahrt-Vorbeifahrer Torsten spendiert)

Gesamtstrecke: 370 km bei ca. 2.400 Hm

Teilnehmer: Erhard Bals, Hans Buchmann, Ludwig Kirmair, Torsten Kreisig, Martin Kubatz, Paul Maier, Roland Weiß, Georg Voichtleitner, Ade Wörndle
Tourenleitung: Heinz Barczewski