Mit dem MTB auf dem Schmugglerweg

Auf Single-Trails über die Grenze: Am „Schmugglerweg“ Marquartstein – Schleching – Kössen

11.08.2019, mit Christa Perleb und Edwin Volker – Ausgangspunkt der heutigen Tour ist der Parkplatz beim Rathaus in Marquartstein. Sieben Mutige stellen sich den Herausforderungen, die da sind: Trails mit heftigen Wurzeln und Blöcken, knackigen Anstiegen, viele anspruchsvolle Single-Trails sowie fordernde Tragestrecken.

Nach wenigen hundert Metern befinden wir uns schon im Wald und absolvieren die erste kurze, aber giftige Auffahrt und bekommen bei einer Kapelle noch einige Infos für die heutige Fahrt.

Lagebesprechung

Über einen schmalen Trail am Abhang und teilweise heftig aufgeschotterte Forststraßen gelangen wir zum Aussichtspunkt Kaiserblick.

Aussichtspunkt Kaiserblick – das Kaisermassiv im Hintergrund

Bis wir zum Schmugglerweg kommen, werden nicht nur unsere Wadl, sondern auch die Bizeps gestählt, da wir die Bikes über etliche Hindernisse hiefen müssen.

Hindernisparcours ohne Pferd

Selbst Drehkreuze können uns dank ausgefeilter Technik nicht stoppen. Schließlich gelangen wir zum Schmugglerweg, welcher auf der alten Trasse eines Samerweges entlang der westlichen Talseite von Kössen in Tirol nach Schleching in Bayern führt.

Schmugglerweg – steil, steinig, unwegsam

Säumer (seltener Saumer, österreichisch auch Samer) waren Personen, die Lasten auf dem Rücken von Saumtieren über das Gebirge transportierten. Jahrhundertelang beförderten sie vor allem Salz und Wein auf Saumpfaden und über die Pässe der Alpen. Als Säumer musste man ein Pferd, einen Maulesel, ein Maultier oder einen Ochsen besitzen (Wikipedia). Mangels derartigem Getier sind wir heute ersatzweise mit unseren Bikes und den Rucksäcken unterwegs.

Grenzüberschreitung Schmugglerweg

Nach dem 2. Weltkrieg wurden über diese Route Zigaretten, Kaffee, Rum und sogar Käselaibe geschmuggelt – daher der Name.

Nach etlichen tollen Trails steuern wir nun auf die nächsten Höhepunkte des Tages zu: den Klobenstein, die Wallfahrtskirche und der Hängebrücke über die Schlucht der Großache.

Vorrang hat allerdings – in Anbetracht der mittlerweile sommerlichen Temperaturen – die Einkehr im gemütlichen Biergarten des Gasthauses Klobenstein mit den schon herbeigesehnten kühlen Getränken. Die Küche ist zwar infolge des Besucherandranges heillos überlastet, die netten Bedienungen verstehen es aber, diese Schwäche charmant zu überspielen.

Biergarten im Gasthaus Klobenstein

Jetzt geht es aber zu den Sehenswürdigkeiten! Was ist denn nun der Klobenstein? Der Sage nach stürzte ein riesiger Felsbrocken herab und teilte sich gerade noch rechtzeitig vor einer Bäuerin. Als Dank für dieses vermeintliche Wunder wurde die Wallfahrtskirche Maria Klobenstein errichtet. Der Felsspalt ist gerade so breit, dass man hindurchgehen und so direkt die Kirche erreichen kann.

Klobenstein – wir passen noch durch

Der Wallfahrtsort umfasst neben den zwei zentralen Kapellen – einer Loretokapelle und einer Marienkapelle – noch eine Lourdeskapelle und eine Einsiedelei. Das heutige Gasthaus Klobenstein erinnert an die frühere Eremitenwohnung.

Wallfahrtskirche

Nächste Station ist die Hängebrücke über der Tiroler Ache an der Entenlochklamm.

Vor der Hängebrücke …
… und auf der Hängebrücke …
… mit diesem Ausblick

Beim Jahrhunderthochwasser 2013 wurde die Brücke stark beschädigt und dann mühsam wieder instand gesetzt. Ein sensationelles Video hierzu: https://www.youtube.com/watch?v=szqe_OmwvI0

Ohne Alternative müssen wir nach der Grenze von Österreich nach Deutschland wieder ein Stück auf Asphalt radeln, bis wir nach einer Brücke neben der Ache abbiegen. Zunächst eher gemütlich, dann anspruchsvoll einen Pfad entlang gestrampelt, werden wir schnell ausgebremst. Im Frühjahr spülte der Fluss den eigentlichen Trail einfach weg. Eine eher abenteuerliche, steile und enge Treppe mit ca. 50 Stufen bietet sich an. Die perfekte Gelegenheit, um die Rad-Tragetechnik auf Schultern bzw. Rucksack einzuüben. Schnaufend und schwitzend treffen wir oben angekommen ein älteres Pärchen mit ihren Pedelecs. Da der Weg max. 50 cm breit ist und es unmöglich wäre, die Stufen mit E-Bikes hinunter zu steigen bzw. auf dem Rücken zu tragen, versuchen wir die beiden zur Umkehr zu bewegen. Nach einer kurzen Pause wollen sie unserer Empfehlung nachkommen. Wir genießen die vielen flowigen Waldwege und können schon bald die Blasmusik vom Waldfest in Marquartstein wahrnehmen.

Marquartsteiner Waldfest

Ein großes Fest in Tracht, mit bayerischer Musikkapelle und diversen Schmankerln erwartet uns. Wir beweisen, dass echte Alpenkranzler/-innen nicht nur fahren, sondern auch feiern können.

Jede Maß Bier ist hart erarbeitet

Mit dabei waren: Bärbel Zeitler, Claus Duchatsch, Paul Maier, Marcus Renninger, Reinhold Zeitler
Herzlichen Dank an Christa Perleb und Edwin Volker
Bericht: Paul Maier
Fotos: diverse
Video als Link: Edwin Volker https://www.relive.cc/view/gh38807324091
Tourdaten: 37 km, 670 HM, Fahrzeit 3 ½ Stunden, Tempo 11,4 km/Std.
Wegbeschaffenheit: Single-Trails ca.12 km, Schotter/Forstwege ca. 18 km, Asphalt ca.7 km

Vorankündigung:
Wer Lust auf mehr Abenteuer (Radeln, Wandern, MTB-Touren) hat:
Wildniscamp vom 3. – 6. Oktober im Bayerischen Wald – schnell anmelden!
http://aktiv.alpenverein-erding.de/wildniscamp-falkenstein/