Gletscherkurs 2019: Hoch auffe

Ned nur auffe, sondan hoch auffe: Trockenübungen bei sehr feuchten Bedingungen

06.-09.07.2019, mit Matthias Ruderer und Christian Harrer – „Hast Du Lust auf hohe Berge?“… Dieser Einladung zum Gletscherkurs 2019 sind vier bergbegeisterte Buam und drei Madl gefolgt.

Nach zwei Theorie-Abenden in Erding sowie drei Tagen Ausbildung am Berg, haben wir am 4. Tag einen der drei als Hausaufgabe zu beplanenden Touren in Angriff genommen: Piz Buin (3312 m), Silvretta Horn (3.244 m), Dreiländerspitze (3197 m) – allesamt große Bergnamen.

Die Motivation der Teilnehmenden variierte von Ausprobieren, Grenzen erweitern, bis hin zu selber Touren führen wollen. Lieber Matthias, lieber Christian, nochmal schriftlich ein riesengroßes Lob gleich zu Beginn dieser Touren-Doku: Euch ist es gelungen, allen Bedürfnissen gerecht zu werden! Irgendwas habt Ihr goldrichtig gemacht 😉

Um selbständig leichte Gletscher und kombiniertes Gelände gehen zu können, haben wir uns zwei Abende lang in dieses Unterfangen „eingearbeitet“. Neben Gletscherkunde und dem ausführlichen Ausrüstungscheck haben wir uns ausführlich in das Thema Tourenplanung eingearbeitet. Bei der Detail-Besprechung vor Ort haben auch wir die schnell fortschreitende Veränderung der Gletscherlandschaft mit eigenen Augen gesehen – und in Folge dessen neu geplant!

Tag 1 – Auffe, aufn Berg

Selbstredend sind auch wir früh in Richtung Silvretta-Stausee aufgebrochen. Den geplanten Abzweig zur Hütte haben wir Dank unserer Trainer nur um wenige Meter verfehlt. „Nicht zur Strafe, nur zur Übung“ haben wir uns bei der erstbesten Anhöhe erst mal orientiert: mit Papier(!)-Karte und Kompaß. Funktioniert hervorragend, auch im digitalen Zeitalter.

Die Wiesbadener Hütte war leicht gefunden.

Doch – oh Schreck, das reservierte Schlaflager war für diesen Abend schon belegt. Die Wartezeit haben wir mit Knotenkunde in der Praxis überbrückt. Der Hüttenwirt hat uns dann ein paar Meter höher in ein Schlafdomizil ohne Strom, dafür mit Plumpsklo und einer gemütlichen Stube gefühlt in’s (vor)letzte Jahrhundert verfrachtet. Dies haben wir am folgenden Abend „schweren Herzens“ wieder verlassen, um dann sogar den Komfort eines durchdacht eingerichteten Zimmers zu genießen.

Tag 2 – Patsch Nass

Jetzt wird es ernst und die Theorie der Spaltenbergung kann endlich in der Praxis umgesetzt werden. Und wie heißt es so schön „es gibt keine schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung!“. Gemäß diesem Motto sollte der Tag verlaufen und der Himmel öffnete alle Schleusen – was uns natürlich nicht abgehalten hat, sondern das Ganze nur noch realistischer machte. Nach einer kurzen Einweisung, wie man auf einem Gletscher in verschiedenen Gruppengrößen eine Seilschaft bildet, war es dann auch schon so weit – die ersten Schritte auf dem Gletscher!

Wir übten das gehen in der Seilschaft und tasteten uns langsam in steileres und schwierigeres Gelände vor. Die Führung wurde dabei immer wieder gewechselt. Am Rand des Gletschers stieg dann bei allen die Nervosität. Matthias und Christian waren sichtlich erfreut, dass die Spalte zum „runterhüpfen“ dieses Jahr besonders tief und überhängend war.

Simulierte Spaltenbergung stand jetzt auf dem Programm. Die Nässe und Kälte sollte damit nicht nur von oben kommen, sondern auch noch von unten. Nach ausführlichen Trocken(?)übungen wurde es dann ernst. Gut, dass es die Hintersicherung gab, denn es war sich niemand wirklich sicher, ob er gleich auf Anhieb alles richtig machen würde. Ein mulmiges Gefühl bleibt trotzdem.

Mit einem lauten Schrei verabschiedete sich der erste von uns in die Spalte – kurze Stille – aber alles war gut. Auch der T-Anker, der Seilzug usw. haben gleich erstaunlich gut funktioniert und so waren wir alle voller Vorfreude. Jeder durfte die verschiedenen Stationen am Seil einmal üben und so die nötige Praxis sammeln.

Als wir dann Abends völlig durchnässt in der Hütte waren, hatte jeder trotz des Wetters ein Lächeln auf dem Gesicht. Ein super Tag und es stimmt halt doch – es gibt einfach kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung.

Tag 3 – Die Ruhe vor dem (Gipfel) Sturm

Der dritte Tag im Silvretta Gebirge.

Heute stehen verschiedene Übungen mit den Steigeisen auf dem Programm. Hierzu sind wir aufs blanke Eis gegangen und durften in diesem Gelände die ersten Schritte mit unseren Steigeisen bewältigen. Verschiedene Gehtechniken wurden uns gezeigt um die so wichtige Routine im Gehen zu bekommen. Erstaunlich, wie steil man mit den Spikes unter den Füßen gehen kann, haben wir uns wohl alle gedacht.

Das ganze wurde dann natürlich auch noch in der Seilschaft geübt. Das anseilen beherrschten wir natürlich noch perfekt vom vergangenen Tag.

Ein weiteres Highlight stand am Schluss diesen Tages auf dem Programm. Wer kennt es nicht aus Filmen oder eigener Erfahrung – die Angst des Stürzens in einer steilen Firn-, Eis- oder Schneeflanke. Natürlich gilt es das möglichst zu vermeiden, verhindern kann man es doch u.U. nicht immer und sollte vorbereitet sein. Aus verschiedensten Positionen durften wir uns in den Hang stürzen und versuchen, in die sogenannte „Liegestützposition“ zu kommen, um uns abbremsen zu können. Diese Übung ist mit sehr viel Spaß verbunden, jedoch darf sie nicht unterschätzt werden und muss ernst genommen werden, da dies im Ernstfall eine sehr heikle Angelegenheit werden kann.

Im erneuten Regen geht es dann zurück zur Wiesbadener Hütte. Nach einer kurzen Aufwärmpause übten wir noch die Selbstrettung aus einer Gletscherspalte. Durch diese Technik besteht die Chance, falls das Seil fixiert ist, sich selbstständig aus der Spalte zu befreien. Ein sehr lehrreicher Tag, den wir Abends noch gemütlich ausklingen haben lassen.

Tag 4 – Der Berg ruft!

Voller Vorfreude starteten wir um 6:30 Uhr in den letzten Tag. Klar, die Besteigung des Piz Buin stand an. Am Vorabend haben wir nochmal die Tour im Detail geplant und nichts dem Zufall überlassen. Wo werden Trink- und Essens-Pausen gemacht? Wo werden die Steigeisen angelegt? Wo wechseln wir die Führung? Wir waren vorbereitet und das Wetter spielte auch mit.

Voller Anspannung geht die Tour sanft in einer einzigartiger Landschaft los, bevor sie dann beim beginnenden Gletscher ernster wird.

Jetzt gilt es alles erlernte in die Praxis umzusetzen. Steigeisen montieren, Seilschaft bilden, Pickel in die richtige Hand und los geht’s. Vor uns die erste Steilflanke die uns auf das Gipfelplateau führt. Alle waren voll konzentriert und mit Spaß bei der Sache. Ein einmaliges Erlebnis in dieser Umgebung. Die Steilstufe überwunden ging es auf dem Gletscherfeld über diverse Spalten zur Buin-Lücke.

Der finale Anstieg stand an. Über Geröll und teilweise sehr ausgesetztem, leichten Klettergelände ging es zum Gipfel. Ein einmaliges Erlebnis dass wir in der Gruppe geschafft haben -Piz Buin, 3.312 Meter!

Leider mussten wir auch wieder runter und so begann das nächste Abenteuer. Abseilen am Grat und nach der Gletscherquerung wieder die Steilstufe hinunter.

Wieder an der Hütte angekommen, hatten wir uns den Kaiserschmarrn alle mehr als verdient. Beim Abstieg zum Parkplatz ließen wir dann das Erlebte der letzten Tage nochmal Revue passieren und waren uns schnell einig – das war nicht unsere letzte Hochtour!

Vielen Dank nochmal an Christian und Matthias für die Geduld mit uns, ihr habt das super gemacht! Und an alle Leser – traut Euch: Es gibt viel zu erleben!

Berg Heil – die 4 Buam und 3 Madl vom Gletscherkurs